Risikoselektion

Vorgehen der Versicherer zur Auswahl 'guter' Risiken durch Gesundheitsprüfung und Berufseinstufung.

Die Risikoselektion ist das systematische Vorgehen der Versicherer, gute Risiken zu bevorzugen und schlechte Risiken auszuschließen oder höher zu belasten. Sie ist die wirtschaftliche Grundlage des privaten Versicherungssystems und unterscheidet es vom solidarischen Sozialversicherungssystem, das alle aufnehmen muss.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgt die Risikoselektion durch: Gesundheitsfragen im Antrag, ggf. ärztliche Untersuchungen oder Laboruntersuchungen, Berufseinstufung in Risikoklassen (Berufsgruppen), Berücksichtigung von Hobbys und Risikofaktoren, Auswertung von HIS-Datei und ggf. Versichererdatenbanken. Auf dieser Basis entscheidet der Versicherer über Annahme zu Normalbedingungen, Annahme mit Risikozuschlag, Annahme mit Leistungsausschluss oder Ablehnung.

Die Risikoselektion führt dazu, dass Personen mit Vorerkrankungen, hohen Berufsrisiken oder gefährlichen Hobbys oft schwer eine BU-Versicherung erhalten oder hohe Beiträge zahlen. Für sie sind anonyme Risikovoranfragen, spezialisierte Makler und alternative Produkte (Grundfähigkeitsversicherung, Dread-Disease) wichtige Hilfsmittel. Verbraucherschutzorganisationen kritisieren die teilweise restriktive Praxis und fordern transparentere Verfahren. Bisher bleibt die Risikoselektion jedoch ein zentraler Bestandteil des privaten Versicherungssystems.

In der Praxis zeigt sich, dass die genaue Ausgestaltung dieses Punktes im Bedingungswerk erhebliche Unterschiede zwischen den Versicherern aufweist. Während einige Anbieter sehr kundenfreundliche Regelungen vorsehen, sind andere deutlich restriktiver. Bei der Tarifauswahl sollten daher nicht nur die monatlichen Beiträge, sondern auch die Qualität der Klauseln im Bedingungswerk bewertet werden. Unabhängige Analysehäuser wie Franke und Bornberg, Morgen & Morgen sowie die Stiftung Warentest veröffentlichen regelmäßig detaillierte Bewertungen, die als Orientierungshilfe dienen. Dennoch ersetzen Ratings nicht die individuelle Beratung, da jede Lebenssituation andere Schwerpunkte erfordert. Eine sorgfältige Auswahl zahlt sich später oft tausendfach aus.

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