Ein medizinisches Gutachten ist eine sachverständige Beurteilung des Gesundheitszustands eines Versicherten durch einen vom Versicherer beauftragten Arzt. Im Leistungsverfahren der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es zum Einsatz, wenn der Versicherer die vom Versicherten eingereichten Unterlagen für nicht ausreichend hält oder zusätzliche Klärung wünscht.
Der Gutachter untersucht den Versicherten, wertet die vorhandenen Befunde aus und erstellt eine schriftliche Stellungnahme zur Frage, ob und in welchem Umfang Berufsunfähigkeit nach den Versicherungsbedingungen vorliegt. Der Versicherte ist im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht verpflichtet, an der Begutachtung teilzunehmen.
Gutachten sind oft entscheidend für den Ausgang des Verfahrens. Wenn der Versicherer das Gutachten als Grundlage für eine Ablehnung nutzt, kann der Versicherte ein Gegengutachten einholen. Spezialisierte Anwälte arbeiten mit erfahrenen unabhängigen Sachverständigen zusammen. Ein Gegengutachten kann die Position des Versicherten erheblich stärken. Die Kosten trägt zunächst der Versicherte, eine Erstattung kann im Rahmen einer Klage erfolgen, wenn diese erfolgreich ist. Eine Rechtsschutzversicherung mit Versicherungsvertragsrechtsbaustein deckt solche Kosten ab.
In der Praxis zeigt sich, dass die genaue Ausgestaltung dieses Punktes im Bedingungswerk erhebliche Unterschiede zwischen den Versicherern aufweist. Während einige Anbieter sehr kundenfreundliche Regelungen vorsehen, sind andere deutlich restriktiver. Bei der Tarifauswahl sollten daher nicht nur die monatlichen Beiträge, sondern auch die Qualität der Klauseln im Bedingungswerk bewertet werden. Unabhängige Analysehäuser wie Franke und Bornberg, Morgen & Morgen sowie die Stiftung Warentest veröffentlichen regelmäßig detaillierte Bewertungen, die als Orientierungshilfe dienen. Dennoch ersetzen Ratings nicht die individuelle Beratung, da jede Lebenssituation andere Schwerpunkte erfordert. Eine sorgfältige Auswahl zahlt sich später oft tausendfach aus.